UNWORT DES JAHRES


Unsere Gesellschaft wird immer älter


Alt ist jedoch kein Schimpfwort und keine ansteckende Krankheit. Alt wird jeder, der nicht jung stirbt. Um so seltsamer erscheint dann doch die in der gesamten Gesellschaft latent vorhandene Altersfeindlichkeit, die sich oftmals in der Sprache ausdrückt.

Da ist unter anderem die Rede von „überalterter Gesellschaft", von der „Generation Klingelton", von „Überalterung" und „Rentnerschwemme" und man zittert allerorts vor der bald herabsausenden „Seniorenlawine". Der Gipfel dieser absurden Sprache: "Sozialverträgliches Frühableben" und "Pensionslast".

Vorschlag für das Unwort des Jahres 2009: Pensionslast
Vorgeschlagen auf der Fachtagung "Neue Wege aus der Altersdiskriminierung" am 7. September 2009, Köln

Der Begriff Langlebigkeitsrisiko war 2005 ganz oben in der Vorschlagsliste.



Unwörter des Jahres, die letzten Jahre:

2010: Alternativlos - das heißt, es lohnt sich nicht mehr, darüber zu reden. Das ist in der Politik gefährlich.

2009: Betriebsratsverseucht
(Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen "stört" zwar viele Unternehmen, sagte der Sprecher der sprachkritischen Jury, Horst Dieter Schlosser. Dies als "Seuche" zu bezeichnen, sei aber ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen.)

2008: notleidende Banken (Das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise wird rundweg auf den Kopf gestellt. Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.)

2007: Herdprämie (Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.)

2006: Freiwillige Ausreise (Gesetzes- und Behördenterminus, wenn abgelehnte Asylbewerber aus deutschen Abschiebehaftanstalten, sog. Ausreisezentren, nach intensiver „Beratung“ in ihre Herkunftsländer zurückkehren, wobei die Freiwilligkeit in vielen Fällen zweifelhaft ist.)

2005: Entlassungsproduktivität (Dieses Wort bezeichnet eine gleichbleibende, wenn nicht gar gesteigerte Arbeits-und Produktionsleistung, nachdem zuvor zahlreiche für "überflüssig" gehaltene Mitarbeiter entlassen wurden. Es verschleiert damit die meist übermäßige Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz noch behalten konnten, was oft auch mit dem eben-falls beschönigenden Wort von der 'Arbeitsverdichtung' umschrieben wird. Aber auch die volkswirtschaftlich schädlichen Folgen der personellen Einsparung, die Finanzierung der Arbeitslosigkeit, werden mit diesem Terminus schamhaft verschwiegen.)
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